{"id":38208,"date":"2022-10-27T20:10:56","date_gmt":"2022-10-27T18:10:56","guid":{"rendered":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/?post_type=press&#038;p=38208"},"modified":"2022-10-27T20:12:37","modified_gmt":"2022-10-27T18:12:37","slug":"stellungnahme-234-ueberlebende-auf-der-ocean-viking-brauchen-gemaess-seerecht-schnell-einen-sicheren-hafen","status":"publish","type":"press","link":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/de\/press\/stellungnahme-234-ueberlebende-auf-der-ocean-viking-brauchen-gemaess-seerecht-schnell-einen-sicheren-hafen\/","title":{"rendered":"STELLUNGNAHME: 234 \u00dcberlebende auf der Ocean Viking brauchen gem\u00e4ss Seerecht schnell einen sicheren Hafen"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>234 \u00dcberlebende werden ihrem Schicksal \u00fcberlassen: Europ\u00e4ische Staaten m\u00fcssen ihnen gem\u00e4ss internationalem Seerecht einen sicheren Ort zuweisen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zwischen dem 22. und 26. Oktober hat die Ocean Viking 234 Frauen, Kinder und M\u00e4nner, darunter mehr als 40 unbegleitete Minderj\u00e4hrige, gerettet. Sie alle befanden sich auf gef\u00e4hrlich \u00fcberf\u00fcllten Booten in akuter Seenot. Seit Beginn ihrer Such- und Rettungseins\u00e4tze im Jahr 2016 ersucht SOS MEDITERRANEE gem\u00e4ss geltendem Seerecht systematisch die Koordination durch die zust\u00e4ndigen Seenotrettungsleitstellen (MRCCs) und informiert diese \u00fcber alle Schritte des Einsatzes. Diese Seebeh\u00f6rden haben die Aufgabe, die Such- und Rettungsmassnahmen zu koordinieren, vom Notruf bis zur Zuweisung eines sicheren Ortes. Wir fordern alle EU-Mitgliedsstaaten und assoziierte Staaten dazu auf, ihrer Verpflichtung nachzukommen, \u201edem Rettungsschiff so schnell wie m\u00f6glich und mit minimaler Abweichung der beabsichtigten Route einen sicheren Ort f\u00fcr die Anlandung von Personen in Seenot zuzuweisen&#8220; (SAR Konvention), und dementsprechend unverz\u00fcglich der Ocean Viking und der Humanity 1 einen sicheren Hafen zuzuweisen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Ocean Viking hat drei Rettungen in der libyschen und drei in der maltesischen Such- und Rettungszone durchgef\u00fchrt. Die in Seenot geratenen Boote wurden entweder \u00fcber die zivile Notrufhotline Alarm Phone (mit der Ocean Viking in Kopie) an die Seebeh\u00f6rden gemeldet, mit einem Fernglas von der Br\u00fccke der Ocean Viking aus gesichtet oder von zivilen, zwischenstaatlichen (Frontex) und milit\u00e4rischen Flugzeugen gesichtet, die die Suche unterst\u00fctzten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei jedem von SOS MEDITERRANEE durchgef\u00fchrten Rettungseinsatz kontaktierte die Ocean Viking mehrfach die Seenotrettungsleitstelle, welche f\u00fcr die Such- und Rettungszone, in welcher der Notfall gemeldet oder gesichtet wurde, zust\u00e4ndig ist, n\u00e4mlich die libyschen und maltesischen MRCCs. In den meisten F\u00e4llen antworteten die diensthabenden Beamten nicht auf die zahlreichen E-Mails. Wenn sie doch ans Telefon gingen, best\u00e4tigten sie die von der Ocean Viking bereitgestellten Informationen, boten aber weder eine wirksame Koordination des Such- und Rettungseinsatzes an, zu der sie nach geltendem Seerecht verpflichtet sind, noch gaben sie Informationen \u00fcber den Seenotfall weiter, was f\u00fcr eine Vermeidung von Todesopfern unerl\u00e4sslich ist. Nichtsdestotrotz rief die Ocean Viking die relevanten Seenotleistellen an und schickte E-Mails bei jedem Schritt der Such- und Rettungseins\u00e4tze, darunter: die Weiterleitung von Notrufen, die Information \u00fcber unsere Reaktion auf solche Notrufe, die Information \u00fcber die Sichtung eines Bootes, seinen Notzustand, die eventuelle Einleitung der Rettung und schliesslich die Evakuierung der \u00dcberlebenden auf die Ocean Viking. Dar\u00fcber hinaus h\u00e4lt die Ocean Viking die anderen MRCCs der Such- und Rettungszone im zentralen Mittelmeer, einschliesslich des italienischen MRCCs, systematisch \u00fcber alle diese E-Mails auf dem Laufenden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Allerdings wurden wir bei der Rettung von Menschen in Seenot im zentralen Mittelmeer wieder einmal allein gelassen. Die Pflicht, angemessene und wirksame Such- und Rettungseins\u00e4tze zu gew\u00e4hrleisten, muss von den K\u00fcstenstaaten erf\u00fcllt werden (Art. 98 SR\u00dc 1980), im Mittelmeer wie \u00fcberall auf der Welt. Seit 2018 gibt es im zentralen Mittelmeer keine europ\u00e4ischen, staatlichen Such- und Rettungsmissionen mehr. Ein drastischer und schwerwiegender R\u00fcckzug in einem Meeresabschnitt, der mit \u00fcber 20.000 Toten seit 2014 zur t\u00f6dlichsten Fluchtroute \u00fcber das Meer geworden ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die 234 Frauen, Kinder und M\u00e4nner an Bord der Ocean Viking, von denen einige vor bis zu f\u00fcnf Tagen gerettet wurden, d\u00fcrfen nicht l\u00e4nger auf die Zuweisung eines sicheren Ortes warten. Das SOLAS-\u00dcbereinkommen von 1974 und die \u00c4nderungen des SAR-\u00dcbereinkommens von 2004 besagen, dass ein sicherer Ort &#8222;in jedem Fall innerhalb einer angemessenen Zeit zur Verf\u00fcgung gestellt\u201c werden muss. Einige der \u00dcberlebenden verbrachten bis zu drei Tage auf See, bevor sie von unseren Teams gerettet wurden. Sie sind ersch\u00f6pft und dehydriert und leiden an mehrfachen Verbrennungen. Einige zeigen deutliche Anzeichen von Folter und Gewalt, die sie in Libyen erlitten haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weitere 180 \u00dcberlebende, die in den vergangenen Tagen von der Besatzung der HUMANITY 1 gerettet wurden, warten ebenfalls auf einen sicheren Ort. Diese Menschen haben Schlimmstes auf See erlebt. Sie d\u00fcrfen von den europ\u00e4ischen Mitglieds- sowie assoziierten Staaten nicht l\u00e4nger ignoriert werden. Sie m\u00fcssen unverz\u00fcglich an einen sicheren Ort gebracht werden, wie es das internationale Seerecht vorsieht. Such- und Rettungseins\u00e4tze werden durch internationale Seerechts\u00fcbereinkommen geregelt, die Schiffen und Staaten klare Verpflichtungen und einen rechtlichen Rahmen auferlegen. SOS MEDITERRANEE h\u00e4lt sich an diese Bestimmungen und erwartet, dass die unterzeichnenden Staaten dasselbe tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>234 \u00dcberlebende werden ihrem Schicksal \u00fcberlassen: Europ\u00e4ische Staaten m\u00fcssen ihnen gem\u00e4ss internationalem Seerecht einen sicheren Ort zuweisen Zwischen dem 22. und 26. Oktober hat die Ocean Viking 234 Frauen, Kinder und M\u00e4nner, darunter mehr als 40 unbegleitete Minderj\u00e4hrige, gerettet. Sie alle befanden sich auf gef\u00e4hrlich \u00fcberf\u00fcllten Booten in akuter Seenot. 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