{"id":37522,"date":"2022-08-03T08:23:05","date_gmt":"2022-08-03T06:23:05","guid":{"rendered":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/?post_type=press&#038;p=37522"},"modified":"2022-08-03T10:53:28","modified_gmt":"2022-08-03T08:53:28","slug":"030822-2","status":"publish","type":"press","link":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/de\/press\/030822-2\/","title":{"rendered":"SOS MEDITERRANEE, MSF und SEA-WATCH warnen vor mehr Todesf\u00e4llen im zentralen Mittelmeer in einem weiteren Sommer ohne staatliche Seenotrettung"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400;\">Zentrales Mittelmeer, Mittwoch, 3. August 2022 &#8211; <\/span><strong>SOS MEDITERRANEE, MSF und SEA-WATCH fordern in den Sommermonaten erneut die dringende Umsetzung eines staatlichen Such- und Rettungsprogramms im zentralen Mittelmeer, um weitere Todesf\u00e4lle zu verhindern.\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Innerhalb von f\u00fcnf Tagen haben die Geo Barents, ein von \u00c4rzte ohne Grenzen (MSF) betriebenes Rettungsschiff, und die Ocean Viking, ein von SOS MEDITERRANEE in Zusammenarbeit mit der Internationalen F\u00f6deration der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) gechartertes Rettungsschiff, 16 Boote aus Seenot gerettet. In der Woche zuvor konnte die Sea-Watch 3 ebenfalls insgesamt 444 \u00dcberlebende von f\u00fcnf Booten retten. Ohne die zivile Seenotrettung w\u00e4ren diese Kinder, Frauen und M\u00e4nner in internationalen Gew\u00e4ssern vor Libyen ihrem Schicksal \u00fcberlassen worden, auf der seit 2014 t\u00f6dlichsten Seemigrationsroute der Welt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der R\u00fcckzug europ\u00e4ischer Einsatzkr\u00e4fte aus der Seenotrettung im zentralen Mittelmeer sowie die Verz\u00f6gerungen bei der Zuweisung sicherer H\u00e4fen f\u00fcr die Ausschiffung Geretteter haben das Such- und Rettungssystem und damit die F\u00e4higkeit, Leben zu retten, ausgeh\u00f6hlt. Obwohl wir uns systematisch um eine Koordinierung unserer Eins\u00e4tze bem\u00fchen, so wie das Seerecht es vorsieht, reagieren die libyschen Beh\u00f6rden so gut wie nie. Damit verletzen sie ihre gesetzliche Verpflichtung zur Koordinierung von Rettungsma\u00dfnahmen. In den F\u00e4llen, in denen sie selbst eingreifen und Boote in Seenot abfangen, zwingen die libyschen Seebeh\u00f6rden \u00dcberlebende systematisch v\u00f6lkerrechtswidrig nach Libyen zur\u00fcck, das nach Ansicht der Vereinten Nationen nicht als sicherer Ort gelten kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Obwohl es in diesem Meeresabschnitt an Kapazit\u00e4ten zur Seenotrettung fehlt, versuchen Menschen weiterhin, \u00fcber das zentrale Mittelmeer aus Libyen zu fliehen und riskieren so ihr Leben, um sich in Sicherheit zu bringen. Im Sommer, wenn die Wetterbedingungen diese gef\u00e4hrlichen \u00dcberfahrten h\u00e4ufiger erlauben, kommt es zu mehr Abfahrten aus Libyen. Deshalb braucht es eine gro\u00dfe Such- und Rettungsflotte.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\"><em>\u201cSeit Beginn des Sommers hat unser Team drei Rettungsmissionen durchgef\u00fchrt. Leider endete die erste Mission tragisch, mit 30 Vermissten und einer Frau, die leider nicht \u00fcberlebte. Die beiden anderen Eins\u00e4tze waren extrem intensiv, mit jeweils sechs Rettungen in zw\u00f6lf Stunden und elf Rettungen in 72 Stunden, bei denen insgesamt 974 Menschen gerettet wurden. Aufgrund des Notstands haben wir derzeit 659 Personen an Bord der Geo Barents, was die Kapazit\u00e4t des Schiffs \u00fcberschreitet. Wir haben immer wieder Notrufe erhalten, auf die sonst niemand reagiert hat, oder von der Br\u00fccke unseres Schiffs aus Boote in Seenot gesichtet und es ist unsere rechtliche und moralische Pflicht, diese Menschen nicht ertrinken zu lassen. Die L\u00fccke der staatlich gef\u00fchrten Such- und Rettungsflotte zu schlie\u00dfen, reicht angesichts des Bedarfs einfach nicht aus. Es braucht dringend mehr Kapazit\u00e4ten im zentralen Mittelmeer,\u201d<\/em> erkl\u00e4rt Juan Matias Gil, MSF Beauftragter f\u00fcr Such- und Rettungseins\u00e4tze.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend 438 Gerettete am 30. Juli in Taranto, Italien, von Bord der Sea-Watch 3 gehen konnten, und die Ocean Viking die 387 zwischen dem 24. und 25. Juli geretteten Frauen, Kinder und M\u00e4nner, in Salerno, Italien, an Land bringen durfte, wartet die Geo Barents immer noch auf eine L\u00f6sung f\u00fcr die \u00dcberlebenden, die vor bis zu sieben Tagen gerettet wurden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\"><em>\u201cMan setzt extrem vulnerable Menschen zus\u00e4tzlicher Gewalt aus, wenn man \u00dcberlebende tagelang auf dem Meer festh\u00e4lt, w\u00e4hrend sie darauf warten, an einem sicheren Ort an Land zu gehen. \u00dcberlebende, die in den letzten sechs Jahren von der Ocean Viking gerettet wurden, haben unseren Teams ersch\u00fctternde Geschichten von Gewalt und Missbrauch erz\u00e4hlt. Die Flucht \u00fcber das Meer aus Libyen, das viele von ihnen als \u201cH\u00f6lle auf Erden\u201d beschreiben, ist die letzte und einzige Hoffnung, die diese Menschen haben, ungeachtet der Risiken. Die Einstellung europ\u00e4ischer Such- und Rettungseins\u00e4tze in internationalen Gew\u00e4ssern vor Libyen hat sich als t\u00f6dlich und v\u00f6llig unwirksam bei der Verhinderung gef\u00e4hrlicher \u00dcberfahrten erwiesen,\u201d<\/em> sagt Xavier Lauth, Einsatzleiter von SOS MEDITERRANEE.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\"><em>\u201cW\u00e4hrend die europ\u00e4ischen Beh\u00f6rden nicht gewillt sind, ihrer Pflicht zur Seenotrettung nachzukommen, verz\u00f6gern sie au\u00dferdem die Ausschiffung von NGOs geretteter Menschen. Dieses unn\u00f6tige tagelange Warten zerm\u00fcrbt die Geretteten: Sie haben das Mittelmeer \u00fcberlebt, doch anstatt\u00a0 sich in Sicherheit zu wissen, m\u00fcssen sie tagelang vor den verschlossenen Toren Europas darauf warten, dass ihre Menschenrechte respektiert werden,\u201d<\/em> sagt Mattea Weihe, Sprecherin von SEA-WATCH.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">SOS MEDITERRANEE, \u00c4rzte ohne Grenzen und SEA-WATCH fordern von EU-Mitgliedsl\u00e4ndern und assoziierten Staaten den Einsatz einer angemessenen, staatlich gef\u00fchrten und proaktiven Flotte f\u00fcr die Seenotrettung im zentralen Mittelmeer, schnelle und angemessene Antwort auf alle Notrufe sowie einen vorhersehbaren Mechanismus zur Ausschiffung von \u00dcberlebenden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Foto :\u00a0<span class=\"TextRun SCXW87371220 BCX0\" lang=\"FR-FR\" xml:lang=\"FR-FR\" data-contrast=\"none\"><span class=\"NormalTextRun SCXW87371220 BCX0\">An<\/span><span class=\"NormalTextRun SCXW87371220 BCX0\">thony Jean<\/span>\u00a0<span class=\"NormalTextRun SCXW87371220 BCX0\">\/<\/span><span class=\"NormalTextRun SCXW87371220 BCX0\">SOS<\/span><span class=\"NormalTextRun SCXW87371220 BCX0\"> MEDITERRANEE<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zentrales Mittelmeer, Mittwoch, 3. 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