{"id":36736,"date":"2022-05-04T10:34:55","date_gmt":"2022-05-04T08:34:55","guid":{"rendered":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/?post_type=press&#038;p=36736"},"modified":"2022-05-04T10:37:01","modified_gmt":"2022-05-04T08:37:01","slug":"statement040522","status":"publish","type":"press","link":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/de\/press\/statement040522\/","title":{"rendered":"Presseerkl\u00e4rung: &#8222;Es ist eine Schande, dass \u00dcberlebende, die beinahe auf See gestorben w\u00e4ren, auf einem Rettungsschiff gestrandet sind&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><strong>Luisa Albera, Such- und Rettungskoordinatorin an Bord der Ocean Viking<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Nach bis zu zehn Tagen bei schlechtem Wetter auf See sind die 294 verbliebenen Frauen, Kinder und M\u00e4nner auf der Ocean Viking ersch\u00f6pft. Sie wurden in vier herausfordernden Eins\u00e4tzen im zentralen Mittelmeer gerettet. Es ist eine Schande, \u00dcberlebende, die beinahe auf See gestorben w\u00e4ren, auf einem Rettungsschiff festsitzen zu lassen. Die Teams von SOS MEDITERRANEE und der IFRC (Internationale F\u00f6deration der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften) tun ihr Bestes, um sie zu versorgen und ihr zus\u00e4tzliches Leid zu lindern, aber ein Schiff ist nur ein vor\u00fcbergehender Aufenthaltsort. Sie m\u00fcssen sofort von Bord gehen und dringend ben\u00f6tigte weitere Hilfe erhalten.<\/p>\n<p>Am vergangenen Montag hat der Seegang dazu gef\u00fchrt, dass \u00fcber 75% der Geretteten seekrank wurden. Die meisten von ihnen ben\u00f6tigten Medikamente, um die zus\u00e4tzliche Ersch\u00f6pfung zu lindern. Dies hat den physischen und psychischen Zustand dieser ohnehin schon vulnerablen Menschen weiter beeintr\u00e4chtigt. Am Nachmittag des 3. Mai musste einer der Geretteten in ein Krankenhaus mit einer chirurgischen Abteilung notevakuiert werden.<\/p>\n<p>Nach zw\u00f6lf Anfragen auf die Zuweisung eines sicheren Hafens warten diese immer noch. Wir sehen, wie diese ungerechtfertigte Verz\u00f6gerung das Leiden und die psychische Belastung von Menschen, die bereits extrem traumatische Ereignisse erlebt haben, von Tag zu Tag verst\u00e4rkt.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Unter den \u00dcberlebenden befinden sich auch Frauen und Kinder, von denen das j\u00fcngste erst ein Jahr alt ist. Insgesamt sind 127 unbegleitete Minderj\u00e4hrige an Bord; sie haben Torturen erlebt, die kein Kind jemals durchmachen sollte.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Viele der \u00dcberlebenden, die vom Team von SOS MEDITERRANEE am 25. April gerettet wurden, haben uns erz\u00e4hlt, dass zw\u00f6lf Menschen w\u00e4hrend der \u00dcberfahrt ins Wasser gefallen und ertrunken sind. Ein junger Mann, den wir zum Schutz seiner Identit\u00e4t Inoussa nennen, erz\u00e4hlte unseren Teams, dass er bei diesem tragischen Ereignis einen Freund verloren hat. Er sagte, dass diese Person alle Menschen an Bord des \u00fcberf\u00fcllten Schlauchboots w\u00e4hrend der gef\u00e4hrlichen n\u00e4chtlichen \u00dcberfahrt beruhigte und ihnen riet, &#8222;ruhig zu bleiben&#8220; und &#8222;keine Panik zu sch\u00fcren&#8220;. &#8222;Wir haben drei M\u00f6glichkeiten&#8220;, sagte Inoussas Freund kurz vor dem tragischen Ereignis zu allen, &#8222;zu sterben, nach Libyen zur\u00fcckgebracht zu werden oder endlich in Sicherheit zu kommen&#8220;. Inoussa schloss: &#8222;F\u00fcr meinen Freund hat es mit der ersten Option geendet, er starb auf dem Meer.&#8220;<\/p>\n<p>Die Teams von SOS MEDITERRANEE und der IFRC leisten den Geretteten rund um die Uhr medizinische und psychologische Hilfe. Ein Schiff ist jedoch nicht der geeignete Ort, um extrem vulnerable und traumatisierte Menschen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum zu versorgen. Viele \u00dcberlebende schilderten, dass sie in Libyen und auf ihrer Flucht zus\u00e4tzlich zu ihrem Leiden auf See extremer Gewalt und Missbrauch ausgesetzt waren. Inoussa, der am 25. April von den Teams auf der Ocean Viking gerettet wurde, teilte gestern Morgen seine Verzweiflung: &#8222;Mir wird \u00fcbel, wenn ich sehe, wie sich mein Freund wegen Seekrankheit \u00fcbergibt, wenn ich sehe, wie die Frauen und Kinder unter dieser langen Wartezeit auf See leiden. Die Wellen, jeden Tag die gleiche Notnahrung, schlafen auf Deck &#8230;&#8220;.\u00a0 Alle \u00dcberlebenden an Bord m\u00fcssen dringend von Bord zu gehen. &#8222;Je l\u00e4nger das Warten dauert, desto verzweifelter wird man und desto mehr schwindet die Hoffnung,&#8220; so Inoussa.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Wir fordern die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden dringend auf, diese lange Unt\u00e4tigkeit zu beenden und ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen und uns ohne weitere Verz\u00f6gerung einen sicheren Ort zuzuweisen.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Das Seerecht, wie die SOLAS-Verordnung, verpflichtet &#8222;die Regierungen zur Koordinierung und Zusammenarbeit, um sicherzustellen, dass Kapit\u00e4ne von Schiffen, die Menschen in Seenot Hilfe leisten, von ihren Verpflichtungen entbunden werden&#8220; und dass &#8222;in jedem Fall innerhalb einer angemessenen Zeit ein sicherer Ort zur Verf\u00fcgung gestellt wird&#8220;. Die \u00dcberlebenden haben nach ihrer Rettung \u00fcber eine Woche auf See gewartet, das kann nicht als angemessen betrachtet werden. Einmal mehr vers\u00e4umen es die europ\u00e4ischen Staaten, einen koordinierten, geregelten Mechanismus f\u00fcr die Ausschiffung von Menschen in Seenot zu gew\u00e4hrleisten.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Luisa Albera, Such- und Rettungskoordinatorin von SOS MEDITERRANEE<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hintergrundinformationen <\/strong><\/p>\n<p>Die Teams an Bord der Ocean Viking retteten zwischen dem 24. und 27. April in vier schwierigen Eins\u00e4tzen in internationalen Gew\u00e4ssern vor der libyschen K\u00fcste 295 Menschen in Seenot. Die Ocean Viking ist ein Rettungsschiff das von der zivilen maritimen und humanit\u00e4ren Organisation SOS MEDITERRANEE in Zusammenarbeit mit der Internationalen F\u00f6deration der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) gechartert wird.<\/p>\n<p>Unter den 294 \u00dcberlebenden, die an Bord der Ocean Viking festsitzen, befinden sich 127 unbegleitete Minderj\u00e4hrige. Die meisten der \u00dcberlebenden leiden an Unterk\u00fchlung, Seekrankheit und Ersch\u00f6pfung. Nach den tragischen Erlebnissen w\u00e4hrend der Flucht und auf See zeigen viele der Geretteten Anzeichen von Trauma und psychischer Belastung und ben\u00f6tigen weitere Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>SOS MEDITERRANEE ist eine europ\u00e4ische maritime und humanit\u00e4re Organisation, die auf die Todesf\u00e4lle im Mittelmeer und das Versagen der Europ\u00e4ischen Union bei der Verhinderung dieser Todesf\u00e4lle reagiert. Die im Mai 2015 von B\u00fcrger*innen gegr\u00fcndete Organisation hat seit Beginn ihrer Eins\u00e4tze auf See 35.333 Menschen gerettet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Luisa Albera, Such- und Rettungskoordinatorin an Bord der Ocean Viking &#8222;Nach bis zu zehn Tagen bei schlechtem Wetter auf See sind die 294 verbliebenen Frauen, Kinder und M\u00e4nner auf der Ocean Viking ersch\u00f6pft. Sie wurden in vier herausfordernden Eins\u00e4tzen im zentralen Mittelmeer gerettet. 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