{"id":35698,"date":"2022-02-18T16:07:59","date_gmt":"2022-02-18T15:07:59","guid":{"rendered":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/?post_type=press&#038;p=35698"},"modified":"2022-03-25T15:39:18","modified_gmt":"2022-03-25T14:39:18","slug":"1802-2","status":"publish","type":"press","link":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/de\/press\/1802-2\/","title":{"rendered":"Die \u00dcberlebenden auf dem Rettungsschiff Ocean Viking m\u00fcssen dringend an einem sicheren Ort von Bord gehen k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p>Bern, 18. Februar 2022 &#8211; <strong>Seit Montag, dem 14. Februar, wartet die Ocean Viking mit 247 geretteten Menschen an Bord darauf, einen sicheren Hafen zugewiesen zu bekommen. W\u00e4hrend das raue Wetter den Gesundheitszustand der \u00dcberlebenden an Bord beeintr\u00e4chtigt, hat das Schiff trotz f\u00fcnf Anfragen an die zust\u00e4ndigen Seebeh\u00f6rden noch keine Anweisungen erhalten, wo die aus Seenot Geretteten an Land gehen sollen.<\/strong><\/p>\n<p>Die 247 Menschen wurden am vergangenen Wochenende und Anfang dieser Woche von der Crew auf der Ocean Viking in weniger als 36 Stunden in f\u00fcnf Eins\u00e4tzen gerettet. Das Rettungsschiff Ocean Viking wird von der europ\u00e4ischen Such- und Rettungsorganisation SOS MEDITERRANEE gechartert und in Partnerschaft mit der Internationalen F\u00f6deration der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) betrieben.<\/p>\n<p>Michele Angioni, Such- und Rettungskoordinator auf der Ocean Viking sagt: <em>&#8222;Wir haben vor einigen Tagen in weniger als 36 Stunden f\u00fcnf Rettungen in den maltesischen und libyschen Such- und Rettungszonen durchgef\u00fchrt. Trotz zahlreicher E-Mails und Anrufe unsererseits gab es keine Koordination von den Seebeh\u00f6rden. Nach diesem intensiven Wochenende hatten wir einen Sturm mit bis zu vier Meter hohen Wellen und Windgeschwindigkeiten von bis zu 30 Knoten zu \u00fcberstehen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Unter den 247 geretteten Menschen befinden sich 53 unbegleitete Minderj\u00e4hrige sowie ein f\u00fcnf Monate altes Baby. Einige der \u00dcberlebenden weisen Anzeichen von Folter auf. So auch der 19-j\u00e4hrige Amath*, der erst neun war, als er mit seinem Bruder nach Libyen aufbrach. Er erz\u00e4hlte der Crew, dass er den Senegal vor zehn Jahren verlassen hat, um in Libyen Arbeit zu finden. Dort wurde er zehnmal inhaftiert und oft von Wachen oder der Polizei geschlagen &#8211; er hat Narben auf dem ganzen R\u00fccken. Er berichtete ebenfalls, dass er bei einem Fluchtversuch ins Bein geschossen wurde.<\/p>\n<p><em>\u201eNach der Rettung und der Bergung an Bord der Ocean Viking behandelten wir F\u00e4lle von Treibstoffvergiftungen, Verbrennungen und Hautinfektionen\u201c<\/em>, sagt Johanna Jonsdottir, Krankenschwester der IFRC.<\/p>\n<p><em>&#8222;Seitdem leiden die Geretteten unter Seekrankheit was zu F\u00e4llen von Dehydrierung, Kopfschmerzen und Magenbeschwerden gef\u00fchrt hat. Wir stellen fest, dass sich der psychische Zustand der Menschen aufgrund der Blockade auf See verschlechtert. Einige \u00dcberlebende haben alte Wunden wie Verbrennungen, verdrehte Kn\u00f6chel, Schussverletzungen oder leiden auf Grund von Schl\u00e4gen unter R\u00fcckenschmerzen&#8220;<\/em>, f\u00fcgt Eila Rooseli, \u00c4rztin der IFRC, hinzu.<\/p>\n<p>Viele der Geretteten haben den Teams an Bord erkl\u00e4rt, dass die gef\u00e4hrliche Flucht \u00fcber das zentrale Mittelmeer in seeunt\u00fcchtigen Schlauchbooten die einzige M\u00f6glichkeit war, Libyen zu entkommen, obwohl sie um die Risiken wussten.<\/p>\n<p>Gem\u00e4ss Seerecht gilt eine Rettung erst dann als abgeschlossen, wenn die \u00dcberlebenden an einem Ort von Bord gegangen sind, an dem ihr Leben nicht mehr bedroht ist und ihre Grundbed\u00fcrfnisse erf\u00fcllt sind. Allzu oft m\u00fcssen Gerettete l\u00e4ngere Zeit auf Rettungsschiffen verbringen, bevor sie an Land gehen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><em>\u201eDas Fehlen einer Koordinierung von Such- und Rettungseins\u00e4tzen sowie eines vorhersehbaren Ausschiffungsmechanismus gef\u00e4hrdet seit mehreren Jahren das Leben und die Gesundheit Geretteter. Dies kann nicht l\u00e4nger die Norm sein. Ein Schiff ist kein Ort, an dem \u00dcberlebende auf Dauer bleiben k\u00f6nnen. Wir brauchen einen sicheren Hafen, an dem M\u00e4nner, Frauen und Kinder ohne weitere Verz\u00f6gerung von Bord gehen k\u00f6nnen&#8220;, <\/em>f\u00fcgt Michele Angoni hinzu.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Foto: Claire Juchat \/ SOS MEDITERRANEE<\/p>\n<p>* Der Name wurde ge\u00e4ndert, um die Anonymit\u00e4t des Geretteten zu wahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bern, 18. Februar 2022 &#8211; Seit Montag, dem 14. 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