{"id":32866,"date":"2021-08-05T08:49:55","date_gmt":"2021-08-05T06:49:55","guid":{"rendered":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/?post_type=press&#038;p=32866"},"modified":"2022-03-02T22:28:08","modified_gmt":"2022-03-02T21:28:08","slug":"050821-2","status":"publish","type":"press","link":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/de\/press\/050821-2\/","title":{"rendered":"[MEDIENMITTEILUNG] Erneute H\u00e4ngepartie f\u00fcr Rettungsschiff Ocean Viking von SOS MEDITERRANEE: 553 Gerettete m\u00fcssen dringend von Bord gehen"},"content":{"rendered":"<p><strong><span lang=\"DE\">Seit\u00a0vier Tagen wartet die Seenotrettungsorganisation SOS MEDITERRANEE auf einen sicheren Hafen\u00a0f\u00fcr die 553 Menschen an Bord ihres Schiffes Ocean Viking. Bislang ist keine L\u00f6sung f\u00fcr die am Wochenende aus Seenot geretteten und ersch\u00f6pften Menschen in Sicht.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span lang=\"DE\">SOS MEDITERRANEE fordert die Schifffahrtsbeh\u00f6rden in aller Dringlichkeit auf, unverz\u00fcglich einen sicheren Ort f\u00fcr die zahlreichen Geretteten an Bord der Ocean Viking zuzuweisen, wie es das Seev\u00f6lkerrecht vorschreibt. Die Seenotrettungsorganisation appelliert ausserdem an die EU-Mitgliedstaaten, einen Ausschiffungs- und Verteilmechanismus f\u00fcr die Geretteten zu schaffen, der europ\u00e4ische K\u00fcstenstaaten wie Italien unterst\u00fctzt.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"DE\">Am vergangenen Wochenende hatte die Crew der Ocean Viking 555 Menschen aus sechs Booten gerettet, die im zentralen Mittelmeer in Seenot geraten waren. Die Koordinierung durch die zust\u00e4ndigen Rettungsleitstellen war hierbei\u00a0v\u00f6llig unzureichend. Eine schwangere Frau musste am Dienstag zusammen mit ihrem Partner von der italienischen K\u00fcstenwache medizinisch notevakuiert werden. Alle 553 an Bord verbliebenen Geretteten, darunter 119 Minderj\u00e4hrige, vier\u00a0schwangere Frauen und ein drei Monate altes Baby, leiden weiterhin unter\u00a0der br\u00fctenden Hitze an Deck. Sie m\u00fcssen dringend an einem sicheren Hafen\u00a0von Bord gehen. Dies gilt auch f\u00fcr die mehr als 250\u00a0\u00dcberlebenden an Bord des zivilen Rettungsschiffes\u00a0Sea-Watch 3, die ebenfalls am Wochenende im zentralen Mittelmeer gerettet worden sind.<\/span><\/p>\n<p><strong><span lang=\"DE\">553 Gerettete, Ungewissheit und unertr\u00e4gliche Hitze an Deck<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span lang=\"DE\">Viele \u00dcberlebende befanden sich in einem Zustand extremer Ersch\u00f6pfung, als sie von der Crew von SOS MEDITERRANEE gerettet wurden, und sind nach wie vor geschw\u00e4cht. Etliche\u00a0leiden unter Schmerzen in Folge ihrer Misshandlungen in Libyen, von wo sie geflohen sind, unter Treibstoffverbrennungen aus dem Fluchtboot und unter Seekrankheit. Einige der Geretteten wurden aufgrund der Hitze bereits ohnm\u00e4chtig. <em>&#8222;Bei dieser Hitze und der Enge an Deck kann sich die Situation von Tag zu Tag verschlimmern&#8220;<\/em>, sagt Luisa Albera, Such- und Rettungskoordinatorin von SOS MEDITERRANEE an Bord der Ocean Viking. <em>&#8222;Ein Schiff kann nur eine Zwischenstation nach einer Notlage sein. Knapp dem Tod auf See entronnene Menschen tagelang warten zu lassen, bevor sie an einem sicheren Ort von Bord gehen k\u00f6nnen, bedeutet eine Gef\u00e4hrdung ihrer k\u00f6rperlichen und geistigen Gesundheit. Diese Ungewissheit f\u00fcgt ihnen in einer ohnehin schon schlimmen Situation unn\u00f6tiges Leid zu. In den letzten drei Jahren hat es zu viele solcher H\u00e4ngepartien auf See gegeben. Ich habe die \u00e4usserst schwerwiegenden Folgen dieses qu\u00e4lenden Wartens mit eigenen Augen gesehen, die \u00dcberlebenden k\u00f6nnen in akute psychische Not geraten.&#8220;<\/em><\/span><\/p>\n<p><span lang=\"DE\">Die Crew der Ocean Viking hat die Schifffahrtsbeh\u00f6rden in den letzten Tagen bereits mehrfach um Zuweisung eines sicheren Orts gebeten. <em>&#8222;Einige europ\u00e4ische Mitgliedstaaten haben sich in der Vergangenheit engagiert und Solidarit\u00e4t mit den K\u00fcstenstaaten gezeigt, die Gerettete in ihren H\u00e4fen aufgenommen haben. Wir brauchen jetzt diese Solidarit\u00e4t, um die Ausschiffung und gerechte Verteilung der geretteten Menschen von der Ocean Viking und der Sea-Watch 3 zu erm\u00f6glichen&#8220;<\/em>, so Luisa\u00a0Albera.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span lang=\"DE\">&#8222;Als wir in das Boot stiegen, schlugen die Schmuggler uns alle\u201c <\/span><\/strong><\/p>\n<p><span lang=\"DE\">Die sechs von der Ocean Viking geretteten Boote waren nach Angaben der \u00dcberlebenden von Libyen gestartet. Einige berichteten, dass sie bis zu drei Tage auf See waren, bevor sie von SOS MEDITERRANEE gerettet wurden. Die Geretteten haben an Bord von schrecklichen Misshandlungen erz\u00e4hlt, die sie in Libyen erlitten haben und von ihrem Fluchtversuch \u00fcber das Meer.<br \/>\n<em>&#8222;Als wir in das Boot stiegen, schlugen die Schmuggler auf alle ein. Sie hatten Gewehre, die gr\u00f6sser waren als mein Arm. Das Wasser und der Treibstoff gingen uns dann schnell aus. Wir hatten kein Satellitentelefon, wir konnten niemanden kontaktieren. Irgendwann sahen wir ein leeres Boot mitten auf dem Meer. Vielleicht hattet ihr die Menschen gerettet, vielleicht wurden sie von den Libyern zur\u00fcckgebracht. In dem leeren Boot fanden wir kleine Wasserflaschen und einen Benzinkanister. Und so sind wir weitergefahren und haben gebetet und gebetet, und Gott sei Dank habt ihr uns gefunden&#8220;<\/em>, berichtet Zidane*, ein 31-j\u00e4hriger Schriftsteller aus dem Jemen. Zidane verbrachte 17 Stunden im Laderaum eines Holzbootes, zusammengepfercht unter Deck mit etwa 24 anderen Menschen. Er wurde am 1. August von SOS MEDITERRANEE gerettet, nachdem die Sea-Watch 3 das Boot entdeckt hatte.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"DE\">Trotz zahlreicher Versuche, die Seebeh\u00f6rden in allen Phasen der Rettungseins\u00e4tze\u00a0einzuschalten, wurde keine der sechs von SOS MEDITERRANEE durchgef\u00fchrten Eins\u00e4tze von den Rettungsleitstellen koordiniert.\u00a0Alle Rettungseins\u00e4tze fanden in internationalen Gew\u00e4ssern statt, vier in der libyschen Such- und Rettungsregion (SRR), einer in der tunesischen und einer in der maltesischen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 12.0pt;\"><span lang=\"DE\">SOS MEDITERRANEE wiederholt die dringende Forderung nach mehr von europ\u00e4ischen Staaten geleiteten Such- und Rettungskapazit\u00e4ten und einer effektiven Koordinierung von Such- und Rettungsmassnahmen auf See. <em>&#8222;Die europ\u00e4ische Solidarit\u00e4t ist von entscheidender Bedeutung&#8220;<\/em>, betont Luisa Albera. <em>&#8222;Menschenleben h\u00e4ngen von ihr ab!&#8220;<\/em><br \/>\n<\/span><span lang=\"DE\" style=\"font-size: 7.5pt;\">*Name ge\u00e4ndert<\/span><\/p>\n<p><strong><span lang=\"DE\">HINTERGRUND: <\/span><\/strong><\/p>\n<p><span lang=\"DE\">Auch die von der zivilen Seenotrettungsorganisation Sea-Watch geretteten mehr als 250 Menschen an Bord der Sea-Watch 3 ben\u00f6tigen dringend einen sicheren Hafen, nachdem bereits mehrere medizinische Notevakuierungen n\u00f6tig waren. Hunderte weiterer Menschen wurden am Montag als in Seenot geraten gemeldet. Das zivile Beobachtungs-Segelboot Nadir von ResQship hat mehrere Boote in Seenot unterst\u00fctzt. Zwei Personen in kritischem Zustand wurden an Bord der Nadir lebensrettend behandelt, wobei ein Mann von einem Sanit\u00e4ter wiederbelebt werden musste, bevor sie schliesslich nach Malta evakuiert werden konnten. Die meisten Menschen auf den Booten in Seenot wurden Berichten zufolge von der italienischen, maltesischen und tunesischen K\u00fcstenwache gerettet &#8211; Stunden nachdem die Nichtregierungsorganisationen auf ihre Notlage aufmerksam gemacht und Notrufe gesendet hatten.<\/span><\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Foto: Flavio Gasperini \/ SOS MEDITERRANEE<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit\u00a0vier Tagen wartet die Seenotrettungsorganisation SOS MEDITERRANEE auf einen sicheren Hafen\u00a0f\u00fcr die 553 Menschen an Bord ihres Schiffes Ocean Viking. 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