{"id":33304,"date":"2021-09-08T11:13:45","date_gmt":"2021-09-08T09:13:45","guid":{"rendered":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/?post_type=log&#038;p=33304"},"modified":"2021-09-08T11:18:35","modified_gmt":"2021-09-08T09:18:35","slug":"stimmen-der-geretteten-rita","status":"publish","type":"log","link":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/de\/log\/stimmen-der-geretteten-rita\/","title":{"rendered":"\u201eUm uns auf das Boot zu bekommen, peitschten sie uns aus.\u201c"},"content":{"rendered":"<h3>Rita*, 25 Jahre alt aus Kamerun, wurde \u2013 gemeinsam mit einer ihrer Schwestern \u2013 im Januar 2021 von unseren Teams aus einem \u00fcberbesetzten Schlauchboot gerettet. Hier berichtet sie, warum sie ihr Heimatland verlassen hat und was ihr in Libyen widerfahren ist.<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eIch musste Kamerun aus famili\u00e4ren Gr\u00fcnden und wegen der Armut, die unser Land plagt, verlassen. Wir beschlossen einfach zu gehen, und wussten zun\u00e4chst nicht, wie wir anfangen sollten. Aber die Leute f\u00fchrten uns in die W\u00fcste von Niger.<\/p>\n<p>Zehn Tage brauchten wir durch die W\u00fcste. Am achten Tag war das Trinkwasser aufgebraucht. Wir wurden von Banden angegriffen, die uns misshandeln wollten. Sie haben uns mit St\u00f6cken geschlagen. Ausserdem trennten sie die M\u00e4nner von den Frauen und M\u00e4dchen. Wenn du nicht mit ihnen gehen wolltest, drohten dir Peitschenhiebe.<\/p>\n<p>Wenn du die W\u00fcste mit dem Auto durchquerst und ein Kind hast, musst du es die ganze Zeit in die H\u00f6he halten. Im Auto selbst k\u00f6nnte es ersticken. Wir wurden wie Ware verladen. Es ist ihnen egal, wer schreit und wer nicht. Wenn du schreist, peitschen sie dich aus. Sogar mit deinem Baby, das weint. Wenn du ein Telefon oder Geld hast, nehmen sie dir alles weg. Sie lassen dich mittellos zur\u00fcck. Es war wirklich schwierig. Sehr schwierig.<\/p>\n<p>Als wir unser Land verliessen, hatten wir nicht genug Geld. Wir haben es bis nach Oran geschafft. In Oran arbeiteten wir f\u00fcr eine Frau. Sie hat uns auch nicht bezahlt. Es gibt Personenkreise unter Kamerunern gemeinsam mit anderen Nationalit\u00e4ten. Wir arbeiten, indem wir Kleidung, Saft, Essen verkaufen. Mit dem verdienten Geld konnten wir weiter nach Libyen.<\/p>\n<p>Dann habe ich einen Monat in Libyen verbracht. Ein Monat in Libyen ist wie eine Ewigkeit. Es war die H\u00f6lle. Wir waren in einem Keller und konnten nicht raus. Wir waren so viele, wir haben nicht gez\u00e4hlt. Mit Kindern. Und wenn ein Mann es ein wenig nett haben wollte, nahm er ein M\u00e4dchen und machte mit dir, was er wollte.<\/p>\n<p>Um uns auf das Boot zu bekommen, peitschten sie uns aus. Sie hatten auch Waffen. Eine Frau war schwanger, sie haben sie ausgepeitscht, bis sie ihr Kind verlor. Mein Kind lief weg, als wir am Strand ausgepeitscht wurden. Ich wurde von meinem Sohn getrennt, er hatte Angst, er ist geflohen und sie haben mich nicht einmal meinem Kind hinterherlaufen lassen. Ich hoffe, dass er bei meiner Schwester in Libyen ist.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>***<br \/>\nAugenzeugenbericht, aufgezeichnet von Julia Schaefermeyer, Kommunikationsbeauftragte an Bord der Ocean Viking, im Januar 2021.<\/p>\n<p>*Der Name wurde ge\u00e4ndert, um die Anonymit\u00e4t der Geretteten zu wahren.<br \/>\nFotonachweis: Yann Levy \/ SOS MEDITERRANEE<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rita*, 25 Jahre alt aus Kamerun, wurde \u2013 gemeinsam mit einer ihrer Schwestern \u2013 im Januar 2021 von unseren Teams aus einem \u00fcberbesetzten Schlauchboot gerettet. Hier berichtet sie, warum sie ihr Heimatland verlassen hat und was ihr in Libyen widerfahren ist. &nbsp; \u201eIch musste Kamerun aus famili\u00e4ren Gr\u00fcnden und wegen der Armut, die unser Land [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"featured_media":33303,"parent":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"wds_primary_category":0,"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[44],"class_list":["post-33304","log","type-log","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-zeugenberichte"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/log\/33304"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/log"}],"about":[{"href":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/log"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/33303"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33304"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archive.sosmediterranee.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33304"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}